Fotos: Horst Grasser

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IX. Deutsche Meisterschaft der behinderten Einspännerfahrer

 

Ein ganz ungewohntes Gefühl hatte er bei den Deutschen Meisterschaften der behinderten Gespannfahrer in Schildau/ Sachsen, denn er lag schon nach der Dressurprüfung vorne: „Einmal nicht hinterher fahren und im Marathon alles riskieren müssen!“ Heiner Lehrter hatte sein Erfolgspony Cholin S zuhause gelassen. Die anstrengende Saison mit den Qualifikationsturnieren für die Weltmeisterschaft der Ponyfahrer im Regelsport in Greven-Bockholt, für die es dann, trotz ausgezeichneter Leistungen nicht gereicht hatte, hatten zwar alle super weggesteckt, aber – mal mit einem anderen Pony fahren, eine weitere Herausforderung annehmen, das waren wohl die Hauptgründe für die Wahl des jungen Ponys seiner Ehefrau Sabine. Und: „Wenn immer der Gleiche gewinnt wird es ja langweilig, und man nimmt den anderen Fahrern die Motivation!“ so Heiner Lehrter, dem die Freundschaft zu den anderen behinderten Gespannfahrern sehr am Herzen liegt. „Aber, dass Dashwood so einschlagen würde, damit hätte ich nie gerechnet!“

 

Es war ein starkes Teilnehmerfeld, trotz einiger Ausfälle! Fast alle alten Hasen waren am Start, Bernhard Bücker hatte aus gesundheitlichen Gründen auf einen Start verzichtet, Manfred Nikolaus wegen seines zu jungen Pferdes, Steffi Vollstedts Predko lahmte, schade. Auch zwei Newcomer konnten nicht an den Start gehen: Thorsten Roeder musste die DM vom Krankenhaus aus verfolgen und auch bei Anne Hebben gab es einen Krankheitsfall, ein lahmes Pferd.

Aber zum ersten Mal durften auch Fahrer/innen teilnehmen, die in das neu eingerichtete Grad III fallen, Fahrer, die nicht schwer genug behindert sind, um in Grad II eingestuft zu werden, die aber zur Ausübung ihres Fahrsportes auf Hilfsmittel angewiesen sind, sonst gar nicht oder nur mit erheblichen Schmerzen oder Einschränkungen fahren könnten. Auf ausdrücklichen Wunsch der Grad I und II - Fahrer sollten sie an den Deutschen Meisterschaften teilnehmen. Um diese nationale Sonderregelung wurde Frau Dr. Staemmler-Kienzle auf der letzten Generalversammlung der IG Fahren für Menschen mit Behinderung e.V. gebeten und nach Rücksprache mit dem DKThR-Vorstand wurde dies auch so genehmigt, erst mal für drei Jahre zur Probe. So durften also zwei Grad III Fahrer, Birgit Hoppelshäuser-Stede und Ivonne Fiehring, teilnehmen, eine gute Verstärkung für das Teilnehmerfeld.

Dabei stand Ivonne Fiehrings Start noch sehr in Frage, ihr Pony hatte sich verletzt, Hufbeinbruch. Allerdings hatte sie, genau wie Sielke Harde, großes Glück, beide konnten ihre verletzten Pferde durch Leihpferde ersetzen, eine mutige Entscheidung und ein großer Vertrauensbeweis der Besitzer, Corinna Stoffers und Regina Westhelle, ganz herzlichen Dank dafür! Zum ersten Mal dabei waren auch Birga Jelinek mit Aurum und Ehemann Sven und Christine als Beifahrer, eine große Herausforderung für das junge Team.

Los ging es am Freitag mit der Dressurprüfung, gewohnt dressurstark setzte sich Josef Sauerwald mit Don´t Confess vom Roxel e.V. mit 50,4o Strafpunkten auf dem ersten Wertungsplatz, aber auch Heiner Lehrter vom RV Ibbenbüren erreichte diese Wertungsnote, gefolgt von Ingrid Andreas mit Fox vom St.Georg Haldern (52 Punkte), Ivonne Fiehring vom Poeler Sportverein mit Leihpferd Vincent (55,47 Punkte) und Hubert Markett mit Jesko ( 59,47 Punkte) ebenfalls RFV St.Georg Haldern.

Zum ersten Mal gab es eine geänderte Reihenfolge in den Prüfungen, wurde sonst das „Kegelfahren“ als letzte Teilprüfung am Sonntag gefahren, hatte man sich diesmal den Zuschauermagneten Marathon bis zum Schluss aufgehoben.

Im ausgesprochen schwierigen Hindernisparcours schafften am Samstag bei herrlichem Sonnenschein nur zwei Fahrer eine Null-Runde: Hubert Markett, mit der besseren Zeit vorne, und Heiner Lehrter. Mit nur 2 Fehlerpunkten landete die Cappelnerin Birgit Hoppelshäuser-Stede vom Griedel e.V. mit Gina-Ballerina auf Platz 3, Markus Beerhues vom RFV "St.Georg" Wadersloh e.V. mit Bandit und 12 Punkten auf Platz 4, knapp dahinter Josef Bödefeld vom RFV KUFA Endorf-Hagen mit Arino (13 P.).

Für die kombinierte Wertung und den abschließenden Marathonparcours ergab sich folgender Stand: Lehrter (50,4 P.) vor Markett (59,47 P.) gefolgt von Sauerwald (64,9 P.), Fiering (69,97 P.) Andreas (71 P) und Hoppelshäuser-Stede (71,87 P.).

Rein wettertechnisch stellte sich die Verlegung des Marathon auf den Sonntag als nicht so günstig dar: es nieselte fast den ganzen Sonntag und ein kalter Wind blies über die Dahlener Heide. Trotzdem fanden viele Zuschauer den Weg nach Schildau und zu diesem herrlichen Marathongelände: anspruchsvolle Hindernisse, alle den Geschichten der Schildbürger nachempfunden und so günstig angelegt, dass man mit kurzen Wegen alles überblicken konnte.

Zum ersten Mal bei den behinderten Einspännerfahrern am Start konnte die Poelerin Ivonne Fiehring mit Vincent diese Prüfung mit 49,99 Strafpunkten für sich entscheiden. Auf Platz 2 schob sich Hubert Markett (52,17 P.) mit Jesko, dicht gefolgt von Heiner Lehrter (53,24 P.), und Markus Beerhues mit Bandit (54,16 P.). Ansprechende Leistungen zeigten auch Werner Borgmann (56,12 P.) mit seinem neuen Pferd Ramona vom "Gustav Rau" Westbevern und Josef Sauerwald ( 58,44 P.), der trotz dieser guten Leistung seinen dritten Platz in der kombinierten Wertung an Ivonne Fiehring abgeben musste. Mutig der Entschluss von Ewald Varelmann: in der Zwangspause stieg er aus, sein Puschkin hatte sich so „aufgebaut“, dass er Sorge hatte, ihn in den Hindernissen nicht mehr kontrollieren zu können.

Und so strahlten sie bei der Siegerehrung um die Wette:

neuer und alter Deutscher Meister Heiner Lehrter mit Dashwood (103,64 P.) und seinen Beifahrern Melanie Kümper und Peter Lehmeyer, Deutscher Vizemeister Hubert Markett (111,64 P.) mit Jesko, Corinna Kettler und Klaus Jeske und Ivonne Fiering (119,96 P.) mit Vincent und Corinna Stoffers als Beifahrerin auf Platz 3.

Bernhard Bücker, 1. Vorsitzender der IG Fahren für Menschen mit Behinderung e.V., lobte die hervorragende Arbeit des ausrichtenden Vereins „ Privilegierte Schützengilde Schildau e.V“ mit seinem Vorsitzenden Wolfgang Rühling, im Vorfeld geleistete Arbeit des Bundestrainers der behinderten Fahrer, Henryk Dubicki, und die ansprechenden Leistungen aller Fahrerinnen und Fahrer. „Es war eine durch und durch runde Sache!“

 

Jutta Lehmeyer

Pressesprecherin der

Interessengemeinschaft Fahren für Menschen mit Behinderung e.V.