Die Stiftung Fahrsport Hellendoorn (in Zusamenarbeit mit dem Fahrclub “Helderse Voerluu”)

organisiert vom 06. bis 10. September 2006 die erste Weltmeisterschaft mit kombiniertem Fahrwettbewerb für Ein- und Zweispänner für Menschen mit körperlicher Behinderung in den Niederlanden unter der Leitung des internationalen Einspännerfahrers Jan Berendijk. Diese Weltmeisterschaft unterliegt dem Reglement der IPEC (Internationales Paralympisches Komitee)

www.mensporthellendoorn.nl

 

V. Weltmeisterschaft für behinderte Gespannfahrer in Hellendoorn/Ned vom 6.09.- 10.09.2006

 

Deutsche Mannschaft verteidigt erfolgreich den Titel

Mannschafts- und Einzelgold für Bernhard Bücker (Emsdetten)

 

Als erfolgreichste teilnehmende Nation kehrte das deutsche Team am Sonntag Abend von der V. Weltmeisterschaft für behinderte Gespannfahrer aus Hellendoorn zurück.

Mit zwei Goldmedaillen, einer Silbermedaille, zwei Mal Bronze, zwei Vierten und einem fünften Platz überzeugten unsere Fahrer, wie bei der vorherigen WM ein rein westfälisches Team.

7 Nationen mit 24 FahrerInnen trafen sich auf der Anlage der `mensport stichting Hellendoorn´, für die meisten der Fahrer ein Wiedersehen mit alten Freunden, die man nur alle zwei Jahre sieht, mit denen man sich eng verbunden fühlt, durch ein gemeinsames Hobby und ein oft ähnliches Schicksal.

Großes Pech hatten die Fahrer der Gastgeber: drei aussichtsreiche FahrerInnen mussten ihre Nennung zurückziehen, hatten entweder Probleme mit ihren Pferden, oder selber große gesundheitliche Probleme, so wie Aadrian Struyk, Bronze-Medaillengewinner aus Edinbourgh, der erst am Abend vor der WM aus dem Krankenhaus entlassen wurde.

Trotzdem gab es großen Sport, Begeisterung bei den vielen Zuschauern und den Teams, eine ausgezeichnete Organisation und viele, viele Helfer, die unermüdlich bei der Sache waren.

Schon nach der leicht verregneten Dressurprüfung am Donnerstag Morgen hatte sich die deutsche Mannschaft eine gute Ausgangsposition geschaffen: der, durch Kinderlähmung geh- und stehbehinderte Emsdettener Bernhard Bücker (50,2P, Platz 3) und der Havixbecker Josef Sauerwald (49,6P, Platz 2), beide Grade II (leichter behindert), brachten die Mannschaft auf Platz 2 (99,8P) hinter Großbritannien (96,6P). Der ebenfalls für die Mannschaftswertung startende 46 jährige Heiner Lehrter, der durch das Medikament Contergan schwerste Behinderung hat, patzte bei der Dressur: mit 61,8 Punkten landete er auf nur dem neunten Platz in seinem Grade I (schwerer behindert), gefolgt vom querschnittgelähmten Langenberger Markus Beerhues (62,2P). 

Eine saubere Dressur zeigte die, ebenfalls querschnittgelähmte, Sielke Harde aus Welver, die hinter Diana Kastama (47,2P) und den Britten Kirby (50,0P) und Tyas (51,0P) mit 51,8 Punkten und dem vierten Platz in Grade I belohnt wurde. 

Auch in Grade II belegten weitere deutsche Fahrer vordere Plätze: der 49 jährige Manfred Nikolaus, der durch eine Arbeitsunfall eine inkomplette Quer-schnittlähmung erlitt, belegte mit 57,8 Punkten Platz 4, auf Platz 5 mit 59,0 Punkten der Riesenbecker Ewald Varelmann. Hier führte Judi Ralls, GBR mit 46,6 P.

Bei den Zweispännern startete zum ersten Mal auch ein deutscher Fahrer, Josef Bödefeld aus Sundern-Endorf. Mit dem Rheinländergespann seines Sohnes belegte er nach der ersten Teilprüfung mit 59,0 Punkten Platz 3. 

Für den Samstag und die zweite Teilprüfung Geländefahrt hatten sich alle viel vorgenommen, besonders der Mettinger Heiner Lehrter wollte “den Turbo einschalten” und so viele Plätze wie möglich gut machen.

Bei herrlichem Sonnenschein drängten sich schon am Morgen dichte Zuschauerreihen an den 6 eindruckvollen Hindernissen. Alle sehr nahe beieinander gelegen, alle sehr liebevoll, mit kleinen witzigen Details ausgestattet, alle äußerst anspruchsvoll, aber fair ausgeflaggt.

Die Teilnehmer dankten es dem Parcoursbauer mit atemberaubenden Fahrten: bei den zuerst an den Start gegangenen Grad I-Fahrer lieferten sich 3 Fahrer ein heißes Duell: die Lokalmatadoren Jaques Poppen (57,29P) und Albert Dussel (64,26P) und der Schwede Jernetz-Gustavsson (61,73P) brachten eine Hindernisbestzeit nach der anderen, aber Heiner Lehrter hielt dagegen: mit 5 Hindernisbestzeiten und 51,83 Punkten sicherte er sich den ersten Platz in der Wertung, schob sich auch in der Kombi auf Platz 1, eine sagenhafte Leistung, die nur mit einem eingespielten Team möglich ist. Auch der 32 jährige, gelernte Maschinenbautechniker Beerhues, konnte sich durch eine rasante Fahrt weit nach vorne schieben, 58,01 P und Platz 3 im Marathon brachten Platz 5 in der kombinierten Wertung.

Ein ebenso deutliches Ergebnis schaffte im Grade II der Olfener Manfred Nikolaus, mit ebenfalls 5 Hindernisbestzeiten und 54,57 Punkten schob er sich in der kombinierten Wertung an die Spitze, vorbei an Bernhard Bücker (66,17P Platz 2), Vater von Vierspännerfahrer Tobias Bücker, der beim parallel stattfindenden Ländervergleichswettkampf zwischen den Niederlanden und Deutschland mit dem Team “Ems Drivers” (Mareike Harm, Franz-Josef Lehmkuhl und Lars Heidotting) deutlich gewinnen konnte. 

Auch in der Mannschaftswertung gab es eine Veränderung: Platz 1 für Deutschland (217,8P), Platz 2 für Großbritannien (227,52 P), gefolgt vom Gastgeberland (240,15 P).

Eine starke Leistung bei den 2-spännern, die erst zum zweiten Mal eine Weltmeisterschaft ausfuhren: Josef Bödefeld, der durch eine Autoimmun-erkrankung unter einer zunehmenden Versteifung aller Gelenke leidet, verbesserte sich mit 74,05 Punkten und Platz 2 auch in der Kombi-Wertung auf Platz 2.

Das “Kegelfahren”, die abschließende Prüfung am Sonntag, musste nun die Entscheidung bringen. Ganze 3 Punkte zwischen dem ersten und dem vierten Fahrer in Grade I, 4 Punkte zwischen dem ersten und dem dritten in Grad II – es würde eine heiße Prüfung werden. Nur in der Mannschaftswertung hatte man etwas Luft zum Zweiten, knapp 9,72 Punkte, also 3 Bälle, sollten reichen um Platz 1 zu halten.

Bei hochsommerlichen Temperaturen starteten zuerst die Grad II-Fahrer: und schon bei Josef Sauerwald, der wegen eines Polyneuropathie WS-Syndrom große Probleme beim Halten der Leinen hat und daher mit Schlaufen fahren darf, zeigte sich, wie schwer dieser Parcours war – 2 Bälle, 6 Punkte, trotzdem noch Platz 3. Eine schwere Aufgabe für Bernhard Bücker, er musste eine gute Runde fahren. Mit nur einem Ball und 0,27 P für die Zeitüberschreitung machte er schon alles klar, egal, wie die letzten Mannschaftsfahrer der Britten abschneiden würden, Deutschland hatte den Titel sicher!

Ewald Varelmann, der seit einigen Jahren an Muskelschwund leidet, behielt in diesem überaus anspruchsvollen Parcours die Nerven, leistete sich nur einen Ball. Als letzter Starter musste Manfred Nikolaus bei den Grade II-Fahrern in den Parcours, Judi Ralls hatte sich schon 2 Bälle erlaubt, war hinter Bücker zugefallen, er konnte sich also auch 2 Bälle leisten! Aber es wurden 3 Bälle – Platz 3 in der Kombi, damit Bronze, und Gold für Bücker.

Es wurde ein beeindruckendes Ergebnis in dieser Prüfung: Platz 1 für Varelmann, Platz 2 für Bücker, Platz 3 für Sauerwald – eine klare Sache für unsere westfälischen Fahrer.

Ganz anders lief es bei den Fahrern in Grade I: die Bälle fielen in Serie, erst die an achter Stelle liegende Schwedin Hjelm kam mit nur 2 Abwürfen durch den Parcours. Auch die nächsten Fahrer kamen nicht fehlerfrei durch, Beerhues 9 P.,

Poppen 3 P., Kastama 3 P., Heiner Lehrter durfte aufatmen, einen Ball und gut einen Punkt aus Zeitstrafen konnte er sich leisten! Aber auch seine Nerven spielten nicht mit – 3 Bälle – (nur) noch Bronze, schade.

Blieben noch die 2-spänner, viel konnte hier nicht passieren. Die Abstände zwischen den Gespannen waren zu groß und so behielt Josef Bödefeld trotz einiger Bälle Platz 2 in der Prüfung und Kombi-Silber.

“Überaus zufrieden” waren Trainer Ulli Hengemühl und Chef d´ Equipe Albert Sahle, beide Greven, mit ihrem Team und den erzielten Ergebnissen:

Zum vierten Mal in Folge der Titel des

  • Mannschaftsweltmeisters durch Bernhard Bücker, Heiner Lehrter und Josef Sauerwald
  • Einzelgold durch Bernhard Bücker,
  • Silber durch Josef Bödefeld und
  • Bronze durch Heiner Lehrter und Manfred Nikolaus
  • Jutta Lehmeyer Pressesprecherin der IG Fahren für Menschen mit Behinderung e.V.

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