Bericht von der 4. Deutschen Meisterschaften der Fahrer mit Behinderung in Greven - Bockholt

IV. Deutsche Meisterschaft der behinderten Einspännerfahrer

Traumhafte Rahmenbedingungen fanden die Teilnehmer der IV. Deutschen Meisterschaft für behinderte Einspännerfahrer und die Teilnehmer des Donau-Alpen Pokal vom 16.09. – 19.09.2004 im westfälischen Greven-Bockholt vor. Der veranstaltende RuF St. Martin mit seinem Vorsitzenden Albert Sahle hatte wieder einmal ein Turnier ausgerichtet, das seinesgleichen sucht: eine exzellente, bis ins kleinste Detail liebevolle Ausstattung, toller Service und ein familienfreundliches Rahmenprogramm mit einer gelungenen Mischung aus künstlerischen und sportlichen Hochgenüssen. Für das Wetter sind, so heißt es in Westfalen, die Gäste zuständig, für die sportlichen Leistungen ohnehin, und die Gäste gaben ihr Bestes: bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen sahen die Zuschauer spannende Prüfungen und hochklassigen Sport.Bei den Deutschen Meisterschaften für behinderte Einspännerfahrer gingen, wie bei den Weltmeisterschaften auch, Pony- und Pferdegespanne in einer Prüfung an den Start, im Gegensatz zur WM allerdings ohne Aufsplittung in verschiedene Grads, je nach Schwere der Behinderung.

Für einige Fahrer war dies das zweite große Event im Behindertenfahrsport in diesem Jahr: neben Karl-Bernd Käsgen (Nassen) der im Mai zum zweiten Mal Einzelweltmeister in Grad I wurde und mit Heiner Lehrter (Mettingen) und Bernhard Bücker (Emsdetten) zum zweiten Mal den Titel des Mannschaftsweltmeisters verteidigte, waren auch Sielke Harde (Welver) und Werner Borgmann (Westbevern) erfolgreich in Edinburg am Start. Nun wollten es alle noch einmal wissen.

Am frühen Freitagnachmittag stand die erste Prüfung an, die Dressur. Karl-Bernd Käsgen absolvierte seine Dressur mit der gewohnten Nervenstärke belegte mit 41,67 Punkten den ersten Platz und hatte schon guten Vorsprung vor Werner Borgmann (49 Punkte), Sielke Harde (Welver) und Markus Beerhues (Langenberg), beide 55,67 Punkte und Bernhard Bücker aus Emsdetten (57,33 Punkte). Heiner Lehrter, dessen besondere Vorliebe der Dressur gehört, lag nach einer nicht ganz gelungenen Vorstellung auf Platz 6. Das beste Ergebnis der ausländischen Fahrer, diese Meisterschaft wurde zum ersten Mal als offene Deutsche Meisterschaft ausgetragen, steuerte Lindsey Tyas (England) mit ihrem einfühlsamen Leihpferd Finilia (Besitzer Franz-Josef May) mit 64,33 Punkten und dem siebten Platz bei.

Am frühen Samstag ging es in den Marathon, eine knapp zehn Kilometer lange Wegestrecke und fünf kniffelige Hindernisse mussten von den Gespannen bewältigt werden. Eigentlich hatten sich die Fahrer der Ponygespanne keine großen Chancen ausgerechnet, für die im Anschluss startenden 2-spänner Pferdegespanne des Donau-Alpen-Pokal würden die Wege durch die Hindernisse weitläufig sein, ein Vorteil für die Pferdegespanne bei den behinderten Fahrern, die mit ihren raumgreifenden Galoppaden schnell einige Zehntel Sekunden gut machen könnten. Aber die Parcourchef´s hatten ganze Arbeit geleistet und in jedes Hindernis Alternativen eingebaut: super-enge Wege, ganz nach dem Geschmack der Pony-Fahrer. Es wurde eine spannende Prüfung! Schon der erste Fahrer, Markus Beerhues, legte tolle Zeiten vor. Auch Werner Borgmann, Deutscher Meister aus den Jahren 2001 und 2003, griff an, verbesserte die vorgelegten Zeiten, auch der Niederländer Albert Dussel, mit Stute Olga zum ersten Mal in einer M – Prüfung unterwegs, kämpfte um jede Zehntel Sekunde und belegte mit 53,32 Punkten am Ende Platz 4. Karl-Bernd Käsgen musste sich anstrengen, um seinen Vorsprung aus der Dressur zu halten. Was würde Heiner Lehrter mit seinem Pony Cholin S versuchen? Den Rückstand auf Käsgen konnte er unmöglich im Marathon herausfahren. Als Zweit-letzter kam er in die Hindernisse - und räumte das Feld von hinten auf. Eine Bestzeit nach der anderen, unglaublich dieses Pony, unglaublich dieses Team, Szenenapplaus von den fachkundigen Zuschauern. Nur 35,35 Punkte wurden Lehrters Punktekonto zugerechnet und katapultierten ihn auf den dritten Platz in der Gesamtwertung. Als zweiter der Einzelprüfung Marathon erhielt Werner Borgmann 40,36 Punkte, Karl-Bernd Käsgen als Dritter 47,49 Punkte und Beiden reichten die Ergebnisse um die Plätze aus der Dressur zu halten. Aber eng lagen sie nun beieinander. Ganze 0,2 Punkte trennten die ersten beiden Fahrer, weitere 5,76 Punkte zum Dritten, es würde wieder spannend werden beim abschließenden Kegelfahren am Sonntagmorgen.

Zusätzliche Spannung sollten Änderungen im Reglement bringen, die FEI hatte die Zeit-vorgaben drastisch gekürzt, reine Sicherheitsfahrten, mit dem Ziel mit einer Null-Runde ins Stechen zu kommen, sollen damit unterbunden werden. Außerdem gibt es keine gestaffelten Zeitvorgaben für Ponys oder Pferde mehr, eine Regelung, die bei den Deutschen Meisterschaften der behinderten Gespannfahrer schon immer üblich war.

Die Fahrer gingen in der umgekehrten Reihenfolge ihrer Platzierung in der kombinierten Wertung an den Start und schon nach den ersten Startern zeigte sich, wie wenig Zeit für diesen Parcour zur Verfügung stand, schon Andreas König (Brandenburg) mit seinem Alt-Oldenburger Warmblut Lauro schaffte zwar eine Null-Fehler-Runde, aber die Strafpunkte aus Zeitüberschreitung ließen ihn, zusammen mit dem Niederländer Apie Koop auf dem sechsten Platz landen. Auch Bernhard Bücker mit seinem kleinen Welsh C-Pony Kurbaums Flop behielt die Nerven, fuhr eine Null-Runde, aber obwohl er einige Passagen im gestreckten Galopp absolvierte, reichte die Zeit nicht aus, 15,5 Strafpunkte wurden seinem Konto zugerechnet. Nun musste Heiner Lehrter an den Start, er musste eine Null-Runde schaffen, möglichst ohne Zeitfehler – und auf die Nervosität von Borgmann und Käsgen hoffen. Aber ein Ball am Tor 11 und 5,5 Punkte aus Zeitüberschreitung waren zuviel, es blieb bei Platz 3. Jetzt lag es an Werner Borgmann, mit seiner riesigen Westfalenstute Riva hatte er gute Chancen in der Zeit zu bleiben. Er machte seine Sache toll, sicher durchfuhr er die Tore, nun der Wassergraben zwischen Tor 14 und 15, als Alternative konnte er den „Landweg“ nehmen mit einer etwas schwierigeren Anfahrt auf das drittletzte Tor, aber er wählte das Wasser und Riva sträubte sich, ging nur widerwillig ins Wasser, das kostete Zeit und Konzentration, im letzten Tor fiel dann doch noch ein Ball, schade. Aber Käsgen musste es erst besser machen, auf dem Vorsprung von nun 8,2 Punkten konnte er sich nicht ausruhen. Es wurde wieder ein Herzschlagfinale! Schnell ging Käsgen die Runde an, nahm jede Kurve eng, die kürzesten Wege, kurz vor den Toren nahm er sein Pferd zurück, vorsichtig zwischen den Pylonen, dann wieder Vollgas. Und es passte, im gestreckten Galopp und mit 6 Punkten aus Zeitüberschreitung sicherte Karl-Bernd Käsgen sich zum ersten Mal den Titel des Deutschen Meisters und Werner Borgmann wurde Zweiter und Heiner Lehrter, wie im Vorjahr Dritter. Auf dem undankbaren 4.Platz landete Bernhard Bücker, gefolgt vom besten ausländischen Fahrer Albert Dussel mit Olga.

In der abschließenden Siegerrunde konnte sich Werner Borgmann noch den Sieg in der Einzelprüfung Hindernisfahren sichern, gefolgt von Lehrter und Käsgen.

Ein äußerst erfolgreiches Jahr für Karl-Bernd Käsgen: Mannschaftsweltmeister und Einzelweltmeister Grad I im Mai und Deutscher Meister im September, einfach traumhaft.

Jutta Lehmeyer Pressesprecherin der IG Fahren für Menschen mit Behinderung e.V.

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